Á priori Wissen

Mai 11, 2008

Ich bin und war immer der Meinung, dass Wissen nicht angeboren sein kann. Ein Neugeborenes ist ein ‘unbeschriebenes Blatt’. Dann verblüffte mich der Professor mit einer Klassifikation von Wissen, die auf den ersten Blick dieser These wiederspricht:

Á priori vs. á posteriori Wissen

Ersteres ist Wissen, welches uns (als denkende Menschen) irgendwie aus der Anschauung gegeben ist. Ein Beispiel:

Gerade und Punkt

„Es existiert eine zweite Gerade, die durch den Punkt geht und keinen Punkt mit der Geraden gemeinsam hat“

Das sieht man doch sofort! Aber wann und wie hat man solches Wissen erworben? Oder ist uns dieses Wissen irgendwie ‘eingepflanzt’? Ich für meinen Teil habe diesen Satz zum ersten Mal in der Grundschule gelernt, aber wenn ich mich richtig erinnere, hat mich die Tatsache nich sonderlich gewundert. Es war mir vorher schon klar.

Dieses Beispiel heisst für mich: Wir lernen sehr viel mehr, als uns zunächst bewusst ist. Ich glaube, dass man diesen Satz mit einem gewissen Alter aus seiner Lebenserfahrung schliessen kann. Da schaue ich mir nochmal an, was mein Professor gesagt hat: „…aus der Anschauung gegeben…“ – ja, solche Dinge lernt man, wenn man das Sehen lernt. Wenn man lernt, Dinge räumlich wahrzunehmen, Verhältnisse zwischen Dingen kennenzulernen, also im frühesten Kindesalter.

Die Frage, ob man mit Wissen auf die Welt kommt, ist damit nicht geklärt. Ich muss nur den Begriff ‘á priori Wissen’ anders verstehen. Á priori, also vorher, bedeutet, ich habe das Wissen implizit schon erworben. Wenn ich meinen Verstand benutze, dann weiss ich das schon.

Wissensmodellierung

Mai 11, 2008

Die KI war für mich schon immer eins der spannendsten Bereiche der Informatik. Ein Computer, der die Grenze zwischen menschlichem Denken und Computer-Automatisierung verschwimmen lässt, mit dem man sich unterhalten kann, der selbst kreative Ideen hervorbringt… Science Fiction? JA!

In der Realität verfolgt die KI-Forschung seit vielen Jahren solche Ziele. Die Euphorie war anfänglich gewaltig, das war in den 60er Jahren, und ist sehr bald sehr stark gesunken. Nämlich als klar wurde, dass das alles nicht so einfach ist. Kognitive Fähigkeiten, wie der Mensch sie zustande bringt, erweisen sich für die Informatik als Kombination eng verknüpfter Teilgebiete. Und es scheint, dass erst brauchbare Ergebnisse erzielt werden, wenn jedes Einzelne dieser Problemstellungen gelöst ist.

Eine dieser Teildisiplinen dreht sich um Wissen. Wenn ein Computer Wissen verarbeiten soll, so muss es formalisiert werden. Eine Möglichkeit das zu tun, ist es in einer Ontologie zu sammeln und so heisst auch die Vorlesung, aus der ich das aufgeschnappt habe.

Begriffserklärungen

Wissen, Schliessen, Wahrheit

Es zeigt sich, dass der Begriff ‘Wissen’ selbst schon ein sehr schwieriger ist. Generationen von Philosophen haben sich daran versucht und bis heute hat sich keine allgemeine Definition durchsetzen können.

Die Informatik begnügt sich damit, das Wissen zu formalisieren. Ein verbreitetes Werkzeug dafür ist die First Order Logic (FOL). Sie zeichnet sich dadurch aus, dass ein automatische Schliessen möglich wird, woran wir ja ein starkes Interesse haben.

Wissen hat etwas mit Wahrheit zu tun. Wenn ich ‘etwas weiss’, bedeutet das korrekt ausgedrückt, dass ich von einem Satz \varphi weiss, dass er in einer Welt \mathcal{W} wahr ist, also

\mathcal{W}\models\varphi

Der Satz an sich ist in diesem Fall aussagenlogisch ausgedrückt. Korrektes Schliessen vererbt nun die Wahrheit der Prämissen auf die Konklusion:

\begin{array}{l}\varphi\\ \varphi\rightarrow\psi\\ \hline \psi \end{array}

ist ein gültiger Schluss in der Aussagenlogik.

„Ein Satz ist genau dann wahr, wenn er in der Tat wahr ist“ – Aristoteles

Ein paar Beispiele, wie man in FOL sachverhalte ausdrücken würde:

Sei D eine Domäne, also ein Gegenstandsbereich, über den es Wissen gibt.

  • Dieser Rabe r ist schwarz: D\models s(r)
  • Alle Raben sind schwarz: D\models \forall x (Rabe(x)\rightarrow s(x))

Später noch mehr Beispiele.

Ontologie

Der Begriff ist aus der Philosophie entliehen. Schon Sokrates verstand unter ‘Ontologie’ die Sammlung grundlegender Strukturen der Welt.

In der Informatik wird darunter eine formale Wissensbasis verstanden, also eine Sammlung von Aussagen einer formalen Sprache.

Welcome

Mai 10, 2008

Hallöchen,

Dieser Blog ist nur aus einem Grund entstanden: Langeweile

Ich kann nicht behaupten, ich hätte nichts zu tun. Die Wahrheit ist, ich habe mal wieder keine Lust etwas zu tun. Aber beschäftigen muss man sich ja trotzdem. Normalerweise schaut man sich irgendwelche Filme im Fernsehen an, von denen man eine Woche später nichtmal mehr die grobe Handlung wiedergeben kann. Das hab ich auch schon oft genug getan. Deshalb schreibe ich mal jetzt ein wenig für Euch da draussen.

Und da mich mein schlechtes Gewissen plagt wenn ich nichts tue, hat der Blog mein Studium zum Thema. Als Student hört man jeden Tag sehr viel Gescheites und man ist froh, wenn man ein Wenig behält und sich das zum Bestehen der Prüfung Nötige kurz vor der Prüfung ins Kurzzeitgedächtnis quetschen kann. Dabei ist auch sehr viel Interessantes dabei, wovon man sich vornimmt, sich irgendwann mal näher damit zu befassen. Solche Momente gab es bei mir nun schon viel zu oft. Und viel zu selten hatte ich Zeit und Lust, mich hinzusetzen und die interessanten Themen meines Faches näher zu studieren. Das liegt auch daran, dass ich dann garnicht mehr so genau wusste, was denn das Interessante überhaupt war.

Deshalb sammle ich hier mal ein paar Themen, die in Vorlesungen nur angrissen und die ich aufgeschnappt habe, um sie dann irgendwann mal hier wiederzufinden.

Soviel zum Vorsatz. Das erste interessante Thema kommt jetzt gleich…